Vom Finden und Erfinden

10 JAHRE TATORT AUS STUTTGART MIT LANNERT & BOOTZ

Brigitte Dithard ist seit über 20 Jahren die Redakteurin für den Stuttgarter Tatort. Bild: Ludwig Asal
Brigitte Dithard ist seit über 20 Jahren die Redakteurin für den Stuttgarter Tatort. Bild: Ludwig Asal

Brigitte Dithard ist seit über 20 Jahren Redakteurin für die Stuttgarter Tatorte. Ab 1997 betreute sie die Drehbücher für Kommissar Bienzle und ab 2006 dann für die Ermittler Lannert und Bootz redaktionell im SDR bzw. SWR.

Die Stadt und die Kommissare sind die beiden Elemente, die einen Tatort definieren. Die Stadt Stuttgart war da. Was vor zehn Jahren dafür neu erfunden werden musste, waren die Kommissare.

Mit Richy Müller und Felix Klare war ein gegensätzliches Schauspielerpaar gefunden und mit Holger Karsten Schmidt ein Autor, der den beiden die Rollen auf den Leib schrieb. Mit den ersten drei Fällen etablierte Holger Karsten Schmidt auch das Team – Staatsanwältin Álvarez, Gerichtsmediziner Vogt, Kriminaltechnikerin Nika Banovic. Und er setze den Ton. Eher Thriller als Krimi, mit starken Antagonisten, die die Kommissare in ihrer Rolle schärfen: wie der Gegenspieler aus Lannerts Vergangenheit, Victor de Man, der in zwei Tatorten auftauchte, oder der zu allem entschlossene Vater eines getöteten Mädchens, der Bootz in PREIS DES LEBENS herausforderte.

Vom Finden und Erfinden – Junge Generation der Filmemacher

"Vom Finden und Erfinden" - Brigitte Dithard betreut die Tatorte mit Lannert und Bootz seit über 10 Jahren. Bild: Ludwig Asal
„Vom Finden und Erfinden“ – Brigitte Dithard betreut die Tatorte mit Lannert und Bootz seit über 10 Jahren. Bild: Ludwig Asal

Seither haben sich die Figuren weiterentwickelt. Mit anderen Autoren, wie Martin Eigler, der mit DER MANN, DER LÜGT  bereits den dritten Tatort für Stuttgart schrieb (zwei davon gemeinsam mit Sönke Lars Neuwöhner), oder Wolfgang Stauch und Niki Stein. Neue Impulse bei Buch und Regie kamen u. a. von Dietrich Brüggemann, der mit STAU seinen ersten Tatort überhaupt schrieb, oder mit Dominik Graf, der einen Tatort mit historisch-politischem Bezug gemacht hat, was für Stuttgart ein Novum war.

Auch die junge Generation der Filmemacher hat beim Stuttgarter Tatort Platz. So inszenierten Oliver Kienle und Till Endemann bei den beiden nächsten Filmen führten, jeweils direkt nach ihrem Kinodebüt, Jens Wischnewski und Piotr J. Lewandowski Regie, letzterer nach einem Buch von Michael Glasauer, ebenfalls ein Tatort-Novize.

Vom Finden und Erfinden – starke Geschichten

Der Stuttgarter Tatort versucht sich über starke Geschichten zu definieren, die, wie zuletzt in STAU oder in DER ROTE SCHATTEN die Grenzen des Genres ausloten oder wie in DER MANN, DER LÜGT über die ungewöhnliche Perspektive neu und überraschend sind. Die Charaktere der Kommissare und nicht zuletzt die Schauspieler, die sie verkörpern, drücken ihnen ihren Stempel auf, und halten so, mit der Stadt, die immer spürbar ist, das Format zusammen. Das tun sie, selbst wenn ein Tatort, wie DER MANN, DER LÜGT, ganz aus der Perspektive des Verdächtigen erzählt ist. Sich immer wieder neu erfinden, ohne das Genre neu zu erfinden. Das ist das Ziel.

Die Grenzen des Tatorts sind eine Chance, wenn man sie immer wieder neu ausloten kann.

Das Statement von Brigitte Dithard stammt aus der Pressemappe des Südwestrundfunks anlässlich der Erstsendung von DER MANN, DER LÜGT