Tatort Treppenstraße – Filmkulisse mit Tradition

Tatort: Kassel

Tatort Treppenstraße: Die Treppenstraße war eine der ersten Fußgängerzonen in Deutschland und verbindet den Kulturbahnhof oder früheren Hauptbahnhof mit der Innenstadt. Bild: Kassel Marketing GmbH
Tatort Treppenstraße: Die Treppenstraße war eine der ersten Fußgängerzonen in Deutschland und verbindet den Kulturbahnhof oder früheren Hauptbahnhof mit der Innenstadt. Bild: Kassel Marketing GmbH

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit versprach der damalige HR-Intendant  Prof. Helmut Reitze 2015 Kassel einen Tatort – quasi als Abschiedsgeschenk. Es hat eine Weile gedauert, aber nun sind die Dreharbeiten für den TATORT mit dem Arbeitstitel MÜHLE angelaufen, der zum allergrößten Teil in der documenta-Stadt spielt. Ein eigenes Ermittlerteam mochte der Hessische Rundfunk den Kasselern nicht spendieren, aber immerhin verfrachtet man die beiden Frankfurter Kommissare Brix und Janneke für einen Fall nach Nordhessen. Die Dreharbeiten in Kassel begannen Mitte Juni 2018 – zunächst in einer Villa im noblen Kasseler Stadtteil Brasselsberg. Weitere Drehorte sind unter anderem die Wilhelmshöher Allee, das Kasseler Polizeipräsidium und auch den Tatort Treppenstraße gibt es (wieder).

Tatort Treppenstraße – Filmkulisse mit Tradition

Einige Szenen des Kassel-Tatorts werden in der Treppenstraße mitten in der Kasseler Innenstadt gedreht. Das kaskadenförmig angelegte Areal mit Treppen, Grünflächen, parkähnlichen Plätzen und Brunnen, das den Friedrichsplatz mit dem um einige Höhenmeter versetzt gelegenen Ständeplatz verbindet, machte in den 50er Jahren Schlagzeilen als erste Fußgängerzone Deutschlands. Bereits damals diente das ungewöhnliche Ambiente als Filmkulisse: Curd Jürgens drehte hier, zudem entstanden im oberen Bereich der Straße Szenen mit Walter Giller für Wolfgang Staudtes Klassiker „Rosen für den Staatsanwalt“ (1959).

TATORT-Kassel: 2018, 1994, 1980

Einige Stadtteile von Kassel wurden von den Drehbuchautoren erkundet. So gibt es im Drehbuch konkrete Ortsangabe, aber auch nur ungenaue Angaben. Diese müssen dann von einem Locationscout gefunden/ausgesucht werden. Bildmontage: ARD/RegioWiki
Einige Stadtteile von Kassel wurden von den Drehbuchautoren erkundet. So gibt es im Drehbuch konkrete Ortsangabe, aber auch nur ungenaue Angaben. Diese müssen dann von einem Locationscout gefunden/ausgesucht werden. Bildmontage: ARD/RegioWiki

Doch für den TATORT ist die Treppenstraße alles andere als Neuland. Denn schon im 1994er- hr-Tatort DER RASTPLATZMÖRDER (1994) mit Kommissar Brinkmann (Karl-Heinz von Hassel) ist diese zu sehen. Den Hauptverdächtigen (Ulrich Wildgruber) verschlägt es in diesem Krimi in einen Kasseler Nachtclub. Dort wird er am Eingang von der Puffmutter in Gestalt der grandiosen Evelyn Künneke empfangen und etwas unsanft abgefertigt.

Diese Szene dreht das Team 1993 an der der Treppenstraße. Dafür muss es aber Umbauten gegeben haben, denn tatsächlich gab es dort nie einen Nachtclub. Heute befindet sich in diesem Bereich ein Spielwarengeschäft sowie eine Niederlassung der Handelskammer. Die im Film sichtbare Fußgängerunterführung ist inzwischen verschwunden.  (Schauen Sie sich ein Video von 1993 bei den Dreharbeiten in Kassel an)

Tatort HÄNDE HOCH, HERR TRIMMEL spielte zeitweise auch in Kassel, aber nicht am Tatort Treppenstraße - im Bild: Kriminalhauptmeister Höffgen (Karl Heinz von Hassel) trifft sich mit Helga Martini (Karin Baal). © NDR/Tele Press
Tatort HÄNDE HOCH, HERR TRIMMEL spielte zeitweise auch in Kassel, aber nicht am Tatort Treppenstraße – im Bild: Kriminalhauptmeister Höffgen (Karl Heinz von Hassel) trifft sich mit Helga Martini (Karin Baal). © NDR/Tele Press

Auf Kassel abonniert: Karl-Heinz von Hassel („Brinkmann“)

Jedoch markiert DER RASTPLATZMÖRDER nicht den ersten Auftritt Kassels als TATORT-Stadt. Bereits 1980 stieg der finale Showdown im NDR-Film HÄNDE HOCH HERR TRIMMEL! in einem Waldstück in der Nähe von Kassel.

Zufällig spielte Karl-Heinz von Hassel auch in diesem TATORT mit. Als Höffgen spielte er einen auf Abwege geratenen, verliebten Hamburger Polizisten. Der stellte in einem Mordfall eigene Ermittlungen an und geriet damit zwischen sämtliche Stühle. Und das zum Ärgernis seines Chefs, dem brummigen Hamburger TATORT-Kommissar Paul Trimmel.

Die verschlungenen Pfade der Handlung führen die Beteiligten schließlich in eine einsame Jagdhütte im Kaufunger Wald vor den Toren Kassels. Der Film wurde damals aber nicht in Kassel gedreht. Das belegen Produktionsunterlagen des NDR.