TATORT-Sommerpause mit Überraschung

TV-Wiederholungen

Die TATORT Sommerpause 2018 wird dieses Jahr durch die Ausstrahlung von Til Schweigers Kino TATORT "Tschiller - Off Duty" torpediert. Bildmontage: WDR/NDR/Gordon Timpen
Die TATORT Sommerpause 2018 wird dieses Jahr durch die Ausstrahlung von Til Schweigers Kino TATORT "Tschiller - Off Duty" torpediert. Bildmontage: WDR/NDR/Gordon Timpen

Alljährlich werden über den Sommer Krimis aus der Konserve gezeigt, oft auch parallel zu großen Sportereignissen. Bis Mitte August 2018 dürfte die neue TATORT-Saison laufen, doch dieses Jahr schummelt Das Erste wieder eine Erstsendung unter die Wiederholungen in der TATORT-Sommerpause.

Denn für den 8. Juli 2018 hat Das Erste die Fernsehpremiere des Kino-TATORT „Tschiller – Off Duty“ programmiert. Der fünfte TATORT mit Til Schweiger wartet seit seiner Kinopremiere 2016 auf seine Erausstrahlung, die für 2018 angekündigt war. Die erfolgt nun mitten im Hochsommer, an einem spielefreien Tag der Fußball-WM. Mit nennenswerter Konkurrenz dürfte der Film an diesem Sommertag nicht laufen. Andererseits dürfte wohl der beteiligte Norddeutsche Rundfunk (NDR) auch nicht von einem großen Zuschauerinteresse ausgehen, wenn dieser Sendetermin ausgewählt wurde. Für den Star Til Schweiger dürfte diese NDR-Entscheidung ein Schlag ins Gesicht sein.

Schon im Sommer 1998 hatte Das Erste die Erstsendung eines TATORTs auf einen Wiederholungsplatz gelegt und so quasi vor dem Publikum „versteckt“, als dieser den Qualitätsansprüchen der ARD-internen Vorbesichtigungstruppe nicht genügte. Man versendete Ein Hauch von Hollywood damals zwar an einem Montagabend um 23 Uhr, aber auch mitten im Sommer, am 13. Juli. Die Rationale: Im Sommer sind die Quoten und das Zuschauerinteresse regelmäßig gering, so dass die Fernsehsender seit vielen Jahren dort nur noch Wiederholungen zeigen und nicht teure Produktionen ausstrahlen.

TATORT-Sommerpause 2018

Polizeiruf 110:"In Flammen" ist die letzte Neuproduktion vor der TATORT-Sommerpause: Die Kommissare am Tatort (Anneke Kim Sarnau, Charly Hübner, Andreas Guenther). © NDR/Sandra Hoever
Polizeiruf 110:“In Flammen“ ist die letzte Neuproduktion vor der TATORT-Sommerpause: Die Kommissare am Tatort (Anneke Kim Sarnau, Charly Hübner, Andreas Guenther). © NDR/Sandra Hoever

Wiederholungen in der Krimi-Sommerpause haben in Das Erste erstmals 2003, ab 2007 dann regelmäßig Hochkonjunktur im Sommerprogramm. Auch in diesem Jahr zeichnet sich eine mindestens 2 Monate lange Sommerpause ab, vom Schweiger-TATORT Nummer 5 mal abgesehen. Am 10. Juni läuft die letzte Erstsendung auf dem Sonntagskrimi-Termin – der NDR-Polizeiruf 110 „In Flammen“ und allerspätestens am 19. August müsste Das Erste wieder neue TATORTe ausstrahlen, weil mindestens zwei Neuproduktionen für den August schon unter vorgehaltener Hand dem TATORT-FUNDUS bestätigt wurden. Die Programmdirektion Das Erste will sich dazu naturgemäß noch nicht äußern – und tatsächlich kann es sein, dass noch weitere Neuproduktionen im August aufgetischt werden.

Sommer-Wiederholungen haben eine lange Tradition

Erstmals regelmäßige Sonntags-Wiederholungen über den Sommer gibt es in DasErste seit dem Jahr 1996. Dort liefen – von neuen Erstsendungen unterbrochen – 5 Krimis aus der Konserve den erneuten Weg auf den Bildschirm. In den Folgejahren – bis zum Jahr 2002 – sind Sommerwiederholungen jeweils eine einmalige Angelegenheit: nur ein TATORT pro Sommer kommt aus dem Archiv. Erst im Jahr 2003 zeigt das Erste wieder 5 alte TATORT-Krimis, auch diese Serie wird durch eine Erstsendung unterbrochen. Im Jahr 2004, dem Jahr der Europameisterschaft in Portugal, reduziert Das Erste auf 3 Wiederholungen im Sommer, im Folgejahr 2005 sogar auf eine Primetime-Sommer-Wiederholung.

Nicht nur bei sportlichen Großereignissen: TATORT-Sommerpause

Ballauf und Schenk sind auch dieses jahr bei der TATORT-Sommerpause vertreten: sie ermitteln dort mit am häufigsten © WDR/Martin Valentin Menke
Ballauf und Schenk sind auch dieses jahr bei der TATORT-Sommerpause vertreten: sie ermitteln dort mit am häufigsten © WDR/Martin Valentin Menke

Im Jahr 2006 läuft in Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft und tatsächlich zeigt Das Erste während des Turniers keine Neuproduktionen, dafür aber gleich danach im Juli 2006 an zwei Sonntagen ein TATORT und im folgenden August zwei Neuproduktionen des „Polizeiruf 110“. Die Erstsendungen im Sommer sind demnach noch kein Tabu für den Senderverbund, aber die Quoten sind erwartungsgemäß mau.

Erst im Jahr 2007 gibt es die erste richtige, ununterbrochene Sommerpause von 6 Wochen im Ersten. Sie dauert von Anfang Juli bis Mitte August. Im Jahr 2008 erhöht Das Erste die Sommerpausen-Wiederholungen auf 6, mischt aber auch hier wieder eine Erstsendung drunter („Ausweglos„).  2009 sind von Juni bis August (28.6 bis 9.8) fünf TATORT-Wiederholungen zu sehen, wie auch in den Folgejahren 2010 und 2011.  2012 läuft dann die bis heute längste Krimi-Sommerpause im Ersten, vom 28. Mai bis 26. August. Auch hier spielt wieder ein Sportgroßereignis eine Rolle, die Fußball-Europameisterschaft und so sendet DasErste insgesamt 9 Wiederholungen zur sommerlichen Primetime. In den beiden Folgejahren 2013 und 2014 sind die Sommerpausen etwas kürzer als 2012, werden aber jeweils durch die Erstausstrahlung eines „Polizeiruf 110“ unterbrochen. Für die TATORT-Fans bleibt die TATORT-Sommerpause gleichwohl unverändert lang.

Die TATORT-Sommerpause 2015 wird durch Schweizer Folgen eingeläutet und gleichsam beendet. Zwischen dem 5. Juli und 6. September laufen 7 Wiederholungen TATORT und – erstmals in der Geschichte der „Krimi-Sommerpause“ – auch eine Polizeiruf-Wiederholung zur Primetime im Sommer. 2016 zeigt Das Erste im Sommer 7, im Folgejahr 2017 dann 8 Wiederholungen des Klassikers TATORT. Die letzten drei Sommerpausen waren konsequent ohne eine Erstsendung programmiert.

Spitzenreiter in der TATORT-Sommerpause

Satisfaktion, der Münster-TATORT von 2007, ist der einzige TATORT, der bereits schon zweimal zur Primetime im Sommer wiederholt wurde. Bild: WDR
Satisfaktion, der Münster-TATORT von 2007, ist der einzige TATORT, der bereits schon zweimal zur Primetime im Sommer wiederholt wurde. Bild: WDR

Spitzenreiter bei den Wiederholungen im Sommer sind die zugleich die langelebigsten Ermittlerfiguren aus Köln und München, die Teams Ballauf & Schenk und Batic& Leitmayr. Sie wurden in den Sommerpausen beide je 12 Mal zur Primetime eingesetzt. Die Bremer Kommissarin Lürsen und das erfolgreiche Team aus Münster, die Figuren Thiel und Boerne, kamen je 10 mal zum sommerlichen Einsatz.

Statistik: Die Häufigkeit der Ermittler in der TATORT-Sommerpause

  • Die Berliner Ermittler Ritter und Stark durften 7 mal im Sommer ran
  • Eisner und Odenthal je 6 mal,
  • Kommissarin Lindholm 5 mal,
  • die Stuttgarter Lannert und Bootz und der Saarbrücker Kommissar Kappl je 4 mal,
  • das Raubein Falke und die hessischen Ermittler Dellwo und Steier je 3mal,
  • Palu, Saalfeld, Flemming, Blum und Stoever je 2mal.
  • In jeweils nur einem Fall im Hochsommer durften noch mal die Ermittler Voss, Schimanski, Faber, Borowski und Karow auf Mörderjagd gehen.

Keine Wiederholung bei den Sommer-Wiederholungen

Was die Auswahl der Folgen angeht haben die Programmmacher offenbar sehr darauf geachtet, dass sich keine Wiederholung doppelt. Jede Sommer-Wiederholung ist auch nur ein einziges Mal gelaufen. Bis auf eine Ausnahme: die Münster-Folge Satisfaktion von 2007 wurde bisher als einzige zwei mal im Sommer zur Primetime wiederholt: am 12. Juli 2009 und 20.August 2017.

Es bleibt spannend, was die Programmmacher für die TATORT-Sommerpause 2018 neben der Fernsehausstrahlung von Schweigers Kino-TATORT noch programmieren werden. Bis jetzt sind immerhin schon drei Folgen klar: Die Kölner-Folge Durchgedreht, die Bundespolizei-Falke-Folge Zorn Gottes und die Münster-Folge Feierstunde.

Vielleicht gibt es ja noch eine Überraschung.