TATORT-Erfinder Gunther Witte gestorben

Der Erfinder des Tatorts und ehemalige WDR-Fernsehspielchef Gunther Witte ist am 16. August 2018 im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben. Das erfuhr der WDR aus dem Kreis seiner Familie. © ARD/Thorsten Jander
Der Erfinder des Tatorts und ehemalige WDR-Fernsehspielchef Gunther Witte ist am 16. August 2018 im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben. Das erfuhr der WDR aus dem Kreis seiner Familie. © ARD/Thorsten Jander

Der ehemalige WDR-Fernsehspielchef und TATORT-Erfinder Gunther Witte ist am 16. August unerwartet im Alter von 82 Jahren gestorben.  Witte war eine Ikone des deutschen Fernsehspiels und hatte nicht nur den TATORT erfunden, sondern auch die Serie LINDENSTRASSE befördert und viele beachtete Fernsehspiele auf den Weg gebracht.

WDR-Intendant Tom Buhrow würdigte den langjährigen Fernsehspielchef (1979-1998) als herausragende Persönlichkeit des Fernsehspiels: „Mit seiner einzigartigen Erfindung der Tatort-Reihe hat er den WDR und das deutsche Fernsehen so nachhaltig geprägt wie kaum ein anderer: Sonntag, 20.15 Uhr ist nach wie vor Tatort-Zeit im Ersten. Das, was er geschaffen hat, bleibt und wird unsere Zuschauer weiterhin bereichern.“

TATORT-Erfinder Gunther Witte gestorben – Es geschah im Kölner Stadtwald

2001 bekam Gunther Witte die "Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, mit der der Stifter des Adolf-Grimme-Preises Persönlichkeiten auszeichnet, die sich (laut Statut), "um das Fernsehen verdient gemacht haben" © WDR/Annika Fusswinkel
2001 bekam Gunther Witte die „Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, mit der der Stifter des Adolf-Grimme-Preises Persönlichkeiten auszeichnet, die sich (laut Statut), „um das Fernsehen verdient gemacht haben“ © WDR/Annika Fusswinkel

Witte war ein sehr bescheidener Mann und betonte immer, dass er kein besonderes Faible für Krimis gehabt hätte. 1969 habe er nicht gewusst, was gerade ihn für die Aufgabe qualifiziert habe, einen Krimi zu entwickeln.

Legendär ist die Geschichte, dass Witte mit seinem damaligen Chef Gunther Rohrbach während eines Spaziergangs im Kölner Stadtwald den Auftrag bekam, als Antwort auf die ZDF-Unterhaltungsoffensive („Der Kommissar“) eine Krimiserie zu entwickeln. Witte erinnerte sich dabei nach eigene Aussagen an die RIAS-Hörfunkserie „Es geschah in Berlin“. Das regionale Konzept und das Dokumentarische übernahm er für das Konzept des TATORTs.

Lange Jahre war Witte in seiner Funktion als WDR-Fernsehspielchef auch der TATORT-Koordinator der ARD. Er koordinierte die Erstsende- und Wiederholungstermine des TATORTs im Ersten und im WDR-Fernsehen. Er brachte 1981 mit der Figur des Horst Schimanski eine anfangs umstrittene und unkonventionelle Figur als TATORT-Kommissar auf den Bildschirm und verteidigte diese standhaft – der Erfolg gab ihm recht.

TATORT-Erfinder Gunther Witte gestorben – Förderer des Doku-Dramas

Gunther Witte wurde am 26. September 1935 im lettischen Riga geboren. 1963 kam er zum WDR. Zunächst arbeitete er als Redakteur und Dramaturg in der Abteilung Fernsehspiel, von 1979 bis 1998 als verantwortlicher Leiter. Das Konzept für den regional geprägten Tatort im Ersten entwickelte er 1969. Ein Jahr später ging mit TAXI NACH LEIPZIG  der erste Tatort auf Sendung.

In den Folgejahren war der studierte Theaterwissenschaftler an vielen weiteren wichtigen Fernsehfilmproduktionen des WDR beteiligt, als Produzent etwa an Volker Schlöndorffs „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und an Rainer Werner Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“. Er arbeitete mit Regisseuren wie Wolfgang Petersen („Die Konsequenz“), Peter Beauvais („Die Ratten“) und Bernhard Wicki zusammen, mit dem er das Drehbuch zu dessen Film „Die Eroberung der Zitadelle“ schrieb.

Verdient machte er sich zudem als Förderer des Doku-Dramas. In seine Zeit als Fernsehspielchef des WDR fiel auch der Start eines weiteren Dauerbrenners im Sonntagsprogramm des Ersten, der „Lindenstraße“. Gunther Witte ging 1998 in den Ruhestand.

2001 wurde Gunther Witte mit der „Besonderen Ehrung“ des Grimme-Preises ausgezeichnet. Seit 2007 war er Ehrenmitglied der Deutschen Filmakademie. 2013 wurde er mit dem Ehren-Bambi ausgezeichnet.

Mit Informationen des Westdeutschen Rundfunks (WDR)