Tatort BLUT : Interview mit Lilith Stangenberg

Tatort BLUT: Nora Harding (Lilith Stangenberg) und ihr Vater Wolf (Cornelius Obonya). © Radio Bremen/Christine Schröder
Tatort BLUT: Nora Harding (Lilith Stangenberg) und ihr Vater Wolf (Cornelius Obonya). © Radio Bremen/Christine Schröder

“Mich hat die Polarität der Figur angezogen”

Die Schauspielerin Lilith Stangenberg wurde bereits mit 22 Jahren von der Fachzeitschrift „Theater heute“ zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres 2010 gekürt. Neben Engagements an deutschen Theatern (u.a. Volksbühne Berlin, Schauspielhaus Hamburg und Schauspielhaus Zürich) ist sie in diversen TV- und Kinoproduktionen zu sehen, darunter DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER (2014; Regie: Lars Kraume), IDIOTEN DER FAMILIE (2018; Regie: Michael Klier) und DIE GRIESNOCKERLAFFÄRE (2017; Regie: Ed Herzog). Für ihre Hauptrolle im Kinofilm WILD (2016; Regie: Nicolette Krebitz) erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Nachfolgend spricht sie über den Bremer Tatort BLUT: Interview mit Lilith Stangenberg

Lilith Stangenberg, im Tatort BLUT sind Sie in der Rolle der Nora Harding zu sehen, eine junge Frau, die ins Visier der Ermittlungen gerät. Wie würden Sie Ihre Rolle selbst beschreiben?

Stangenberg: Nora ist ein sehr einsamer Mensch. Sie lebt zurückgezogen in ihrer eigenen Welt, ist sozial und emotional ausgehungert. Sie sehnt sich nach Freunden und Halt. In diesem Zustand setzen Empathie und Verstand bei ihr aus und sie wird gefährlich, besonders für die Menschen, die sie mag und bei sich haben will.

Dass Sie herausfordernde Rollen mit Bravour meistern, haben Sie bereits bewiesen und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Worin lag für Sie in der Rolle des Bremer Tatorts BLUT  der größte Reiz?
Lilith Stangenberg, links, als Polizistenwitwe Ivana Barschl im Eberhofer-Krimi GRIESSNOCKERLAFFÄRE (mit Sebastian Bezzel im Bild), Bild: BR/Constantin Film Verleih GmbH/Bernd Schuller
Lilith Stangenberg, links, als Polizistenwitwe Ivana Barschl im Eberhofer-Krimi GRIESSNOCKERLAFFÄRE (mit Sebastian Bezzel im Bild), Bild: BR/Constantin Film Verleih GmbH/Bernd Schuller

Stangenberg: Mich hat die Polarität der Figur angezogen, dieser zarte, schüchterne Mensch, der solche Dämonen in sich trägt und im „Rausch“ zu so viel Grausamkeit fähig ist. Das und ihren Wahnsinn zu ergründen haben mich sehr an der Rolle interessiert. Ich finde die Geschichte vor allem auch sehr traurig, das war auch die große Herausforderung, ihre innere Dramatik glaubhaft zu verkörpern.

Und worin lagen die größten Herausforderungen bei den Dreharbeiten?

Stangenberg: Besonders die emotionalen Szenen zwischen Nora und ihrem Vater (Anm. Cornelius Obonya) waren sehr herausfordernd für mich. Darin musste ich zeigen, was Nora für ein zerbrochener Mensch ist und welche Konflikte und Ängste sie zu diesem „Monstrum“ werden lassen. Das war herausfordernd, es ist ja viel schwieriger für mich, mich emotional zu gefährden und zu zeigen, als körperlich.

Das Interview stammt aus der Pressemappe von Radio Bremen zum Tatort BLUT anlässlich der Erstausstrahlung