Polizeiruf 110 FÜR JANINA – Gespräch mit Anneke Kim Sarnau

POLIZEIRUF 110 AUS ROSTOCK

Polizeiruf 110 - FÜR JANINA Anneke Kim Sarnau als Katrin König. © NDR/Christine Schroeder
Polizeiruf 110 - FÜR JANINA Anneke Kim Sarnau als Katrin König. © NDR/Christine Schroeder

Dass das Gesetz hier der Gerechtigkeit im Weg steht, bringt Katrin Königs Grundfesten ins Wanken“

Interview mit Anneke Kim Sarnau

Der Mord an der jungen Rostockerin Janina Stöcker aus dem Jahr 1988 konnte nie aufgeklärt werden. Als König durch die Mutter davon erfährt, ist sie spontan bereit, sich den Fall noch mal vorzunehmen. Was treibt sie an?

Anneke Kim Sarnau: Katrin Königs Motor ist ihr großer Gerechtigkeitssinn, und der treibt sie auch hier an. Für sie darf kein Fall einfach so versickern. Und Fälle, in denen es um Kinder geht, berühren sie ja ohnehin immer sehr. Sie kann diese Sache nicht einfach auf sich beruhen lassen. Gleichzeitig ist es aber auch eine Art Übersprungshandlung. Sie will sich nach ihrer Verurteilung wegen der Kukulies-Sache gleich wieder in die Arbeit stürzen, weitermachen. Sie lässt sich nicht unterkriegen.

Sie ist wegen Körperverletzung im Amt zu einer Geldbuße verurteilt worden. Empfindet sie diese Strafe als überzogen?

Anneke Kim Sarnau: Nein, sie ist sogar froh, dass sie nicht noch höher ausgefallen ist, weil ihr klar ist, dass sie im Moment ihres Angriffs auf Kukulies nicht professionell gehandelt hat. Sie weiß zwar, warum sie so gehandelt hat, aber sie weiß auch, dass ihr das als Polizistin nicht hätte passieren dürfen.

Janinas Mörder wird gefunden, kann aber nicht belangt werden. Im Kommissariat herrscht Frust, aber als der Täter dort auftaucht, läuft die Profilerin zur Hochform auf. Was bringt sie auf die Idee, dass es mehr als ein Opfer geben könnte?
Polizeiruf 110 FÜR JANINA: Katrin König (Anneke Kim Sarnau) vor Gericht. © NDR/Christine Schroeder. © NDR/Christine Schroeder
Polizeiruf 110 FÜR JANINA: Katrin König (Anneke Kim Sarnau) vor Gericht. © NDR/Christine Schroeder. © NDR/Christine Schroeder

Anneke Kim Sarnau: Das ist eine Eingebung. Ihre Erfahrung und ihr ganzes Wissen über Täterprofile lassen sie erkennen, um welchen Typus von Vergewaltiger es sich bei Guido Wachs handelt und ob bei ihm Wiederholungstaten wahrscheinlich sind. Die ganze Szene ist superspannend. Katrin König ist hin und her gerissen zwischen ihrem Ekel vor diesem Mann und dem Kick, den es ihr gibt, ihn vor sich zu haben, denn sie hofft natürlich, ihn lenken zu können. Der Satz „Ich interessiere mich für Sie“ ist auf der einen Seite pure Berechnung, auf der anderen Seite absolut ehrlich gemeint. Sie erkennt sofort ihre Chance. Das liebe ich an Katrin König, dass sie diesen psychologischen Spürsinn besitzt. König arbeitet fieberhaft an ihrer neuen Spur. Sie erträgt den Gedanken, dass der Mörder frei herumläuft, nicht und hilft schließlich nach, um ihn hinter Gitter zu bringen.

Was geht in ihr vor?

Anneke Kim Sarnau: Das Ganze ist die ultimative Zerreißprobe für Katrin König, weil es all ihren Prinzipien und Überzeugungen widerspricht. Katrin König ist zur Polizei gegangen, um auf legalem Weg für Gerechtigkeit zu sorgen. und dass das Gesetz hier nun der Gerechtigkeit im Weg steht, bringt ihre Grundfesten ins Wanken. Dass sie sich in dieser Situation entschließt, etwas Illegales zu tun, was ihr lange nachhängen wird, wie ihr in dem Moment bereits bewusst ist, ist ein Megaschritt für sie. Das ist wie im freien Fall irgendwo runterspringen und nicht wissen, was unten wartet. Sie ist dazu bereit, ihre eigenen ethischen Maßstäbe über Bord zu werfen. Das zeigt für mich, wie ausgeprägt ihr Bedürfnis nach Gerechtigkeit wirklich ist.

Durch diese Entscheidung wird das Verhältnis zwischen König und Bukow auf den Kopf gestellt. Bislang war sie immer die mit der sauberen Weste. Wohin geht es jetzt?

Anneke Kim Sarnau: Jetzt ist aus ihrer Sicht alles möglich. Auch zwischen den beiden.

Das Interview stammt aus der Pressemappe des Norddeutschen Rundfunks (NDR) anlässlich der Erstausstrahlung im November 2018