Polizeiruf 110 DER FALL SIKORSKA – Interview mit dem Autor Hans-Christian Schmid

POLIZEIRUF 110 AUS FRANKFURT/ODER

Autor des Polizeirufs DER FALL SIKORSKI Hans-Christian Schmid, hier zu sehen bei den Dreharbeiten zu DAS VERSCHWINDEN. © ARD Degeto/BR/WDR/NDR/23/5 Filmproduktion/Gerald von Foris
Autor des Polizeirufs DER FALL SIKORSKI Hans-Christian Schmid, hier zu sehen bei den Dreharbeiten zu DAS VERSCHWINDEN. © ARD Degeto/BR/WDR/NDR/23/5 Filmproduktion/Gerald von Foris

“Man schottet sich lieber ab, statt aufeinander zuzugehen”

Lesen Sie Interview mit dem Autor Hans-Christian Schmid mehr über die Stoffentwicklung zu DER FALL SIKORSKA.

Hans-Christian Schmid lebt und arbeitet als Autor, Regisseur und Produzent in Berlin. Nach dem Dokumentarfilmstudium an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film absolvierte er ein Drehbuchstudium an der USC in Los Angeles. Zu seinen preisgekrönten Regiearbeiten gehören 23, CRAZY, LICHTER,”REQUIEM, STURM und zuletzt die Miniserie DAS VERSCHWINDEN, zu der Schmid gemeinsam mit Bernd Lange das Drehbuch schrieb. 2004 gründete er die Filmproduktionsfirma 23/5, die seitdem neben seinen eigenen Regiearbeiten auch Filme anderer Regisseure und Regisseurinnen produziert hat, z.B. AM ENDE KOMMEN TOURISTEN von Robert Thalheim und zuletzt ATLAS von David Nawrath.

Der Polizeiruf 110 aus Brandenburg zeichnet sich dadurch aus, dass er immer an der Grenze zwischen Polen und Deutschland spielt. Folglich gibt es in den Geschichten auch immer Polen, die in Deutschland leben und Deutsche, die in Polen leben. Was glauben Sie – ist die Integration von Deutschen in Polen einfacher als anders herum? Mit welchen kulturellen Konflikten müssen die jeweiligen Nationen im anderen Land rechnen?

Es gibt Vorbehalte auf beiden Seiten. Bei den Deutschen ist das Klischee, dass die Polen alles klauen, was nicht niet- und nagelfest ist, noch immer weit verbreitet. Viele Polen, gerade aus der älteren Generation, sehen die offene Grenze mit Skepsis, weil sie die Gräueltaten der Deutschen im Krieg nicht vergessen haben. In beiden Ländern nehmen derzeit bedauerlicherweise rechtsradikale und fremdenfeindliche Strömungen zu. Man schottet sich lieber ab, statt aufeinander zuzugehen.

Wie sind Sie – zusammen mit Bernd Lange – auf die Geschichte zum Drehbuch “Der Fall Sikorska” gekommen? Beruht diese auf einer wahren Begebenheit?

Ich hatte vom jahrzehntelangen Streit zweier älterer Männer erfahren, von denen der eine dem anderen vorwarf, er habe seine Tochter getötet. Dies zu beweisen wurde zu einer Lebensaufgabe, die alles andere dominiert hat. Wir haben diese Geschichte um einen Gegenwartsfall ergänzt und sie an die Gegebenheiten des Formats angepasst.

Haben Sie eine persönliche Verbindung zum Land Polen? Was zeichnet dieses Land aus?
Die Autor endes Polizeirufs DER FALL SIKORSKI: Hans-Christian Schmid (links) und Bernd Lange (rechts) © rbb/Gerald von Foris
Die Autor endes Polizeirufs DER FALL SIKORSKI: Hans-Christian Schmid (links) und Bernd Lange (rechts) © rbb/Gerald von Foris

Seit den Dreharbeiten von LICHTER, einem Spielfilm, der ebenfalls an der deutsch-polnischen Grenze spielt, habe ich großes Interesse an diesem Land und seinen Menschen. Mit LICHTER habe ich vor fünfzehn Jahren die Zusammenarbeit mit dem polnischen Kameramann Bogumił Godfrejów begonnen und von ihm viel über die Mentalität der Polen gelernt. Unter anderem auch beim Dokumentarfilm DIE WUNDERSAME WELT DER WASCHKRAFT, in dem es um eine polnische Wäscherei geht, in der Berliner Hotelwäsche gewaschen wird. Mit Robert Thalheim als Regisseur haben wir bei 23/5  AM ENDE KOMMEN TOURISTEN produziert. Ein Film, der die Geschichte eines deutschen Zivildienstleistenden in Auschwitz erzählt. Das Land ist voller Kontraste und hat sich seit der Wende rasant entwickelt. Eine vergleichsweise junge Demokratie, die derzeit gefährdet ist.

Sie haben schon mehrfach mit Bernd Lange zusammengearbeitet. Was schätzen Sie an ihm?

Auf beruflicher Ebene sein Talent als Autor, seine Bereitschaft, bereits gewonnene Erkenntnisse über eine Figur oder eine Handlung in Frage zu stellen und so lange an einem Text zu arbeiten, bis wir beide das Gefühl haben, wir haben die beste Lösung gefunden. Wir haben eine ähnliche Haltung zu vielen Aspekten, die das Schreiben – und sicher auch das Leben – ausmachen. Auf privater Ebene ist er über die letzten fast eineinhalb Jahrzehnte auch zu einem guten Freund geworden.

Das Interview stammt aus der Pressemappe des Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) anlässlich der Erstsendung des Polizeirufs im November 2018