Lohnt sich der Tatort TOD UND SPIELE?

Tatort TOD UND SPIELE: v.l.n.r.: Die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel), Martina Bönisch (Anna Schudt), Jan Pawlak (Rick Okon) und Peter Faber (Jörg Hartmann) am Tatort. © WDR/Thomas Kost,
Tatort TOD UND SPIELE: v.l.n.r.: Die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel), Martina Bönisch (Anna Schudt), Jan Pawlak (Rick Okon) und Peter Faber (Jörg Hartmann) am Tatort. © WDR/Thomas Kost,

Der neue  Dortmunder-Tatort kommt ungewöhnlich leicht und humorvoller als sonst daher. In der Westfalen-Metropole tauchen die Kommissare in das Milieu von illegalen Kämpfen ein, von denen man nicht weiß, ob und wie real sie sind. Und wir fragen uns: Lohnt sich der Tatort TOD UND SPIELE aus Dortmund eigentlich?

Worum geht es im neuen Tatort aus Dortmund?

Am Rande der Stadt werden in einer Feuerstelle die verbrannten Knochen eines Menschen gefunden. Außerdem stellen die Ermittler in der Asche den Schlüssel zu einem Hotelzimmer sicher. Dort entdecken die Kommissare einen vermeintlichen Zeugen: einen eingeschüchterten und ausgehungerten Jungen, der offensichtlich kein Wort versteht. Wer er ist, lässt sich nicht herausfinden. Auch eine Vermisstenanzeige, die passen würde, liegt nicht vor. Derweil kommt die Rechtsmedizinerin Dr. Greta Leitner bei ihren Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass das männliche Todesopfer bereits zu Lebzeiten zahlreiche Knochenbrüche erlitten hatte.

Lohnt sich der Tatort TOD UND SPIELE: Ratlosigkeit im Kommissariat bezüglich der Identität des einzigen Zeugen. Der Junge (Cecil Schuster) spricht nicht und scheint die Kommissare Jan Pawlak (Rick Okon, 2.v.l.), Peter Faber (Jörg Hartmann, 3.v.l.), Martina Bönisch (Anna Schudt) und Nora Dalay (Aylin Tezel, r) auch nicht zu verstehen. © WDR/Thomas Kost
Lohnt sich der Tatort TOD UND SPIELE: Ratlosigkeit im Kommissariat bezüglich der Identität des einzigen Zeugen. Der Junge (Cecil Schuster) spricht nicht und scheint die Kommissare Jan Pawlak (Rick Okon, 2.v.l.), Peter Faber (Jörg Hartmann, 3.v.l.), Martina Bönisch (Anna Schudt) und Nora Dalay (Aylin Tezel, r) auch nicht zu verstehen. © WDR/Thomas Kost

Und: Der neue Kollege Jan Pawlak hat seinen offiziellen Dienstantritt in Dortmund und wird im ersten Fall persönlich heftig verwickelt. Wir kennen ihn noch aus dem Tatort TOLLWUT, der letzten Folge aus Dortmund. In dieser hatte er dem Team Faber als Undercover-Agent zugearbeitet hatte.

In welches Milieu taucht TOD UND SPIELE ein?

Die Ermittlungen der Kommissare führen in die illegale Kampfsportszene, in der es um harte Kämpfe und hohe Wetteinsätze geht. Das Szenario hat etwas surreales, man fragt sich – wie Faber – ob das wirklich real ist, bei uns in Deutschland: Illegale Kämpfe („Cage Fights“), bei denen Menschen auf das Leben anderer wetten. Für die Organisatoren geht es um Macht und Geld und für die Kämpfenden um Hoffnung und Zukunft. Das ganze findet statt an geheimen, nicht ver-(tat)-ortbaren Raum, im Off – irgendwo im Dunkeln….

Also wieder ein düsterer Tatort aus Dortmund?

Tatort TOD UND SPIELE: Der Kämpfer Abuzar Zaurayev-Schmidt (Surho Sugaipov, stehend) im Gefecht mit seinem Gegner bei einem illegalen Kampf. © WDR/Thomas Kost
Tatort TOD UND SPIELE: Der Kämpfer Abuzar Zaurayev-Schmidt (Surho Sugaipov, stehend) im Gefecht mit seinem Gegner bei einem illegalen Kampf. © WDR/Thomas Kost

Nicht wirklich, und das ist die Überraschung des Films. Dortmund kommt trotz dieses harten Milieus eher leicht daher. Regisseurin Maris Pfeifer hat dem Film intensivere Farben als sonst beschert und die Kameraführung tut ihr Übriges in TOD UND SPIELE. Der Dortmunder Tatort bleibt seinem Motto der horizontalen Erzählweise zwar treu, bringt aber diesmal Leichtigkeit und viel Witz ein.

Wie bitte – „Viel Witz“ im Dortmunder Tatort?

Tatort TOD UND SPIELE: Der Multimillionär Oleg Kombarow (Samuel Finzi) mit der Kommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) bei einem illegalen Kampf. © WDR/Thomas Kost
Tatort TOD UND SPIELE: Der Multimillionär Oleg Kombarow (Samuel Finzi) mit der Kommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) bei einem illegalen Kampf. © WDR/Thomas Kost

Ja, Faber und Co schlagen diesmal deutlich leichtere Töne an. Vor allem Faber sprüht regelrecht vor Witz. Das macht gute Laune und die Dialoge sind teilweise wirklich witzig. Damit entfernt Faber sich ein Stück weit von seinem Abgrund, vor dem er seit nunmehr 12 Folgen steht. Drehbuchautor Wolfgang Stauch zeigt in TOD UND SPIELE, dass die Gegenwart für Faber diesmal wichtiger ist, als seine Vergangenheit.

Weil sich Kollegin Martina Bönisch mit einem mutmaßlichen Mörder und Multimilliardär einlässt, wird Faber eifersüchtig und zeigt sich besorgt um die Kollegin. Und das, obwohl Faber behauptet, zu keinen menschlichen Regungen fähig zu sein. Und nicht nur Bönisch gegenüber, auch dem verstummten Kind als Zeuge gegenüber ist Faber empathisch und geht fast einfühlsam mit ihm um. Fabers Fassade bröckelt also etwas. Wer die Figur mag, wird das sehenswert finden.

Zickt die Oberkommissarin Nora Dalay wieder rum? – Lohnt sich der Tatort TOD UND SPIELE?

Tatort TOD UND SPIELE: Die Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) und der junge Zeuge „Kleinkahn“ (Cecil Schuster) übernachten auf Isomatten und in Schlafsäcken im Kommissariat. © WDR/Thomas Kost
Tatort TOD UND SPIELE: Die Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) und der junge Zeuge „Kleinkahn“ (Cecil Schuster) übernachten auf Isomatten und in Schlafsäcken im Kommissariat. © WDR/Thomas Kost

Ja, leider. In TOD UND SPIELE wird Nora zum Kindermädchen degradiert, die kaum aus dem Präsidium rauskommt und auf den stummen Zeugen aufpassen muss. Außerdem hat sie mit dem neuen Kollegen Jan Pawlak ein Problem, was zwar zu erwarten war und auch folgerichtig ist. Aber es nervt!

Der neue Kollege Pawlak steht im Rang höher als sie, der alte (und geliebte) Kollege Kossik fehlt, dann kommandiert der Chef sie weiterhn brüsk herum. Die ehemals ehrgeizige Polizistin Nora wird in TOD UND SPIELE also irgendwie aufs Abstellgleis gestellt – und leidet darunter. Und das macht diese Figur zu einem anhaltenden Nerv-Faktor im Dortmunder Tatort. Der Figur tut das nicht gut: sie kann sich dadurch kaum entwickeln oder andere, neue Facetten zeigen. Sie tritt auf der Stelle.

Lohnt sich der Tatort TOD UND SPIELE – Hat der Film weitere Schwächen?

Diesem Dortmunder Tatort fehlt es etwas an Spannung. Die will zu keinem Zeitpunkt so richtig aufkommen. Der Plot wirkt einwenig wie aus dem Tatort-Baukasten zusammengewürfelt. Weil die Figuren in TOD UND SPIELE deutlich im Vordergrund stehen, wurde beim Plot vermutlich etwas gespart.

Tatort TOD UND SPIELE:Nach dem Training verfolgt Jan Pawlak (Rick Okon) folgt heimlich seinem Kampfsport-Trainer. © WDR/Thomas Kost
Tatort TOD UND SPIELE:Nach dem Training verfolgt Jan Pawlak (Rick Okon) folgt heimlich seinem Kampfsport-Trainer. © WDR/Thomas Kost

In diesem Tatort begegnen einem zu viele alte Krimi-Versatzstücke: Ein stummer Zeuge, der nicht sprechen kann: nicht wirklich neu. Den verstecken die Kommissare vor dem Jugendamt direkt im Präsidium: leider nicht sehr originell. Ablenkungsmanöver, um an Computerdaten zu kommen: schon 1000 mal gesehen. Kommissare, die unter höchstem körperlichen Einsatz agieren – und damit ist nicht nur der Neuzugang Jan Pawlak gemeint: muss wohl so sein. Dass dies alles nicht annähernd etwas mit Polizeirealität zu tun hat: geschenkt!

Aber auf die verdichtende und unterhaltsame Darstellung solcher Ermittlungen hätte man in der WDR-Redaktion schon etwas mehr Mühe verwenden können.

Und besonders auf eins noch: Dass der böse Bube (=der oder die Täterin) nämlich relativ prominent besetzt ist. So sehr, dass sich die Auflösung in TOD UND SPIELE nahezu von Beginn an aufdrängt. Das ist sehr nachlässig, sehr schade, unnötig und: laaaaaaaaaaaaaaaaangweilig.

Welche Stärken hat der Tatort TOD UND SPIELE aus Dortmund?

Lohnt sich der Tatort TOD UND SPIELE: Der Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) setzt die Chefin des Escort-Services Hanna Jäger (Sotiria Loucopoulos, l) unter Druck. © WDR/Thomas Kost
Lohnt sich der Tatort TOD UND SPIELE: Der Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) setzt die Chefin des Escort-Services Hanna Jäger (Sotiria Loucopoulos, l) unter Druck. © WDR/Thomas Kost

Der Versuch, den Tatort mit etwas mehr Humor und Leichtigkeit auszustatten, ist gelungen und sicher eine Stärke des Films. Dortmund bleibt auch Dortmund und wird nicht gleich zum Münster-Tatort. Die Balance zwischen guter Unterhaltung und dem harten Milieu der Großstadt Dortmund wird gehalten.

Auch gut: Die Hauptfigur Faber gewinnt neue Konturen und die Art der Ermittlungen gibt ihm dazu den nötigen breiten Raum. Man bleibt als Zuschauer am Ball und will wissen, wie sie sich die Dinge entwickeln: zwischen Faber und Bönisch, zwischen Nora und Jan. Und natürlich wie es mit dem entflohenen Häftling vom letzten Mal weitergeht….

Lohnt sich das Einschalten beim Dortmunder Tatort TOD UND SPIELE?

Tatort TOD UND SPIELE: Der Multimillionär Oleg Kombarow (Samuel Finzi) hat geschäftlich in Dortmund zu tun. Im Hintergrund die Hotel-Rezeptionistin Stefanie Kogler (Viktoria Mayer). © WDR/Thomas Kost
Tatort TOD UND SPIELE: Der Multimillionär Oleg Kombarow (Samuel Finzi) hat geschäftlich in Dortmund zu tun. Im Hintergrund die Hotel-Rezeptionistin Stefanie Kogler (Viktoria Mayer). © WDR/Thomas Kost

Ja. Denn wie geht es in dem Team weiter und wie macht sich der neue Kollege, sind schon die bewegenden Fragen in dem horizontalen Tatort-Format aus dem Westen.

FAZIT: TOD UND SPIELE ist ein unterhaltsamer Tatort mit tollen Schauspielern. Die höhere Dosis Witz und Leichtigkeit geben diesem Dortmunder Tatort eine neue, sogar interessante Note.

Aber Abstriche muss der Zuschauer beim Plot machen – wie schon so oft in diesem Jahr im Tatort. Leider erreicht diese Dortmunder Räuberpistole auch nicht das Spannungsniveau älterer Dortmunder Folgen.

In der Tatort-Rangliste gebe ich dafür 6,5 Punkte

So hangeln wir uns zum nächsten Sonntag, nach Wien …..