Lohnt sich der Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA ?

Zu Thüringen gehört die Bratwurst – und der Kartoffel-Kloß. Erstaunlicherweise beschäftigen sich Lessing und Dorn mit diesem Landessymbol erst in ihrem siebten TATORT: Der Mord an einem granulierten Geschäftsführer ist aufzuklären. Wir klären die Frage: Lohnt sich der Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA?

Worum geht es im siebten Weimarer Tatort?

Die Kommissare Lessing und Dorn werden zu einem Verkehrsunfall gerufen. Der Unfallfahrer ist unauffindbar. Der unfallverursachende Transporter gehört der Firma „Hassenzahl“, die bekannt für Klöße thüringischer Art ist. Wenig später wird der Tod von Geschäftsführer Christoph Hassenzahl festgestellt, dessen sterbliche Überreste im Transporter identifiziert werden konnten. Der Fall nimmt eine Wendung, als Hassenzahls totgeglaubte Ehefrau Roswita wiederauftaucht. Sie behauptet, dass sie vor sieben Jahren im Wald auf den Kopf gestürzt ist und das Gedächtnis verlor. Seitdem arbeitete sie als Klofrau auf einer Autobahnraststätte, behauptet sie.

Können Lessing und Dorn  der Aussage der verschollen geglaubten Frau Glauben schenken? Gehört sie zum Kreis der Verdächtigen, die ihren Mann Christoph Hassenzahl getötet haben könnten?

Lohnt sich der Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA – Um welche Themen geht es?

Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA - Die Kommissare Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner) halten den Kartoffelbauern Thomas Halupczok (Jörn Hentschel) in Schach. © MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebauer
Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA – Die Kommissare Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner) halten den Kartoffelbauern Thomas Halupczok (Jörn Hentschel) in Schach. © MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebauer

Thüringen ist für zwei Dinge recht bekannt. Zum einen für die Thüringer Rostbratwurst, zum anderen für seine Klöße. Da sich der Tatort aus Weimar bereits in der ersten Folge DIE FETTE HOPPE (2013) den Würsten zugewendet hat, sind in der neuesten Ausgabe die Klöße dran. Und um vielmehr geht es eigentlich nicht.

Besprochen werden die Abläufe bei der Kloßherstellung, die finanziellen Engpässe eines Traditionsunternehmens und die neuesten Kloß-Variationen. Dazu zählen beispielsweise der „Kloß mit Altenburger Milbenkäse“ oder der „Soß-Kloß“, einem Kloß, in dem die Soße bereits integriert ist. Spärlich diskutiert wird noch über Genkartoffeln oder wie mit Kartoffeln aus Tschechien Produktionskosten maximal gesenkt werden. Aber für mehr relevante Themen ist der Tatort-Standort Weimar einfach nicht gemacht.

Lohnt sich der Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA – Welcher Realitätsfaktor kann dem Weimarer Tatort attestiert werden?

Kein großer, denn die DIE ROBUSTE ROSWITA wirkt wie ein Krimimärchen.

Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA - Roswita Hassenzahl (Milena Dreißig) konfrontiert Roland Schnecke (Nicki von Tempelhoff) mit seiner Vergangenheit. © MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebauer
Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA – Roswita Hassenzahl (Milena Dreißig) konfrontiert Roland Schnecke (Nicki von Tempelhoff) mit seiner Vergangenheit. © MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebauer

Die einstige „Kloß-Königin“ fällt auf den Nischel und wird von einem Mann mit dem Namen „Schnecke“ aufgelesen, der sich sofort in die Frau verliebt und sie aufnimmt. Fortan lebt Roswita Hassenzahl unter dem Namen „Mogli“ und putzt Klos – also Toiletten, keine Klöße – auf einem Autohof bei Stadtroda. Prompt an dem Tag, als ihr Mann ermordet wird, kommen die Erinnerungen schließlich zurück. Um es mit den Worten von Kira Dorn zu sagen: „Lessing, finde den Fehler“.

An Kreativität mangelt es dem Autoren-Duo Murmel Clausen und Andreas Pflüger nach wie vor nicht. Das Duo hat in Weimar ein Parallel-Universum mit thüringischem Lokalkolorit geschaffen. Lessing und Dorn wirken mit ihren Befragungen und zynischen Kommentaren eher wie Moderatoren als Ermittler. Immerhin retten sie damit die Story grade noch davor, nicht ins totale Chaos abzugleiten.

Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA - Die Kommissare Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) finden in der Kloßmanufaktur Hassenzahls Brille. © MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebauer
Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA – Die Kommissare Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) finden in der Kloßmanufaktur Hassenzahls Brille. © MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebauer

Nun mag das für Manche bei der siebten Folge abgedroschen und auserzählt wirken. Aber für mich ist es nach wie vor eine unterhaltsame Duftmarke unter den 26 Sonntagskrimi-Standorten. Wenn man den Kopf ein wenig abschaltet und nicht ständig nach dem Sinn der Handlung sucht, könnten kurzweilige 90 Minuten das Ergebnis sein.

Wie spannend ist DIE ROBUSTE ROSWITA?

DIE ROBUSTE ROSWITA ist in diesem Fall eine Kartoffel. Klar, aus Kartoffeln können bekanntlich viele spannende Dinge gezaubert werden, aber so eine rohe Kartoffel ist spannungstechnisch vergleichbar mit dem bekannten Sack Reis in China. Der Tatort ist ein klassischer „Whodunit“-Krimi. Die Tätersuche ist dabei durchaus interessant gestaltet.  Nicht mehr, nicht weniger.

Zudem ist die Auflösung sehr gut gelungen. Bis auf die Konflikte aus der Vergangenheit, die Lessings Vorgesetzter Kurt Stich austragen muss, ist DIE ROBUSTE ROSWITA ein nebenschauplatzfrei erzählter Krimi. Jeder wird nach der Ausstrahlung entspannt und ohne erhöhten Puls ins Bett gehen können.

Lohnt sich der Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA – Wie hoch ist der humoristische Anteil?

Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA - Roswita Hassenzahl (Milena Dreißig) und Roland Schnecke (Nicki von Tempelhoff) werden von den Kommissaren Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) verhört © MDR/ Wiedemann&Berg/ Anke Neugebauer
Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA – Roswita Hassenzahl (Milena Dreißig) und Roland Schnecke (Nicki von Tempelhoff) werden von den Kommissaren Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) verhört © MDR/ Wiedemann&Berg/ Anke Neugebauer

Der Fußballreporter bei einem vergebenen Torschuss würde sagen: „Knapp drüber“. Durch die hohe Gagdichte besteht eine große Gefahr: nicht alle Gags zünden und wirken aufgesetzt. Hinzu gesellen sich noch überzogene Nebenfiguren, wie Polizeimeister „Schnurstracks“ Lupo, nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte,…äh…Baum: Als der der vor einer Horde Wildschweine auf den Baum flüchtet stellt er immerhin noch fest, dass es höhere Besoldungsgruppen bei Polizei gibt, als seine eigene. Darüber hinaus bekommt Mann noch nützliche Hinweise, was beim Stehpinkeln zu beachten ist, um das Klo nicht völlig zu versauen.

DIE ROBUSTE ROSWITA ist kein Film, bei dem man vor Lachen Tränen in den Augen haben wird. Passend zur Absurdität der Geschichte sind auch die Interaktionen der Figuren überzogen. Wer sich darauf einlässt, wird immerhin seine Freude haben.

Lohnt sich das Einschalten beim Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA?

Ja. Weimar steht drauf, Weimar ist auch drin.

Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA - Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) am Unfallort. © MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebauer
Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA – Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) am Unfallort. © MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebauer

Wer auf seichte Sonntagskrimi-Unterhaltung zum Miträtseln steht, ist richtig. Zusätzlich hält der Film auch noch einen extravaganten Leichenbeseitigungstipp parat. Wer lieber einen einigermaßen realitätsnahen Krimi mit Botschaft hätte, der läuft Gefahr, mehrmals in den vor ihm stehenden Couchtisch zu beißen.

FAZIT: Der Tatort DIE ROBUSTE ROSWITA ist definitiv „keine Infinitesimalrechnung“, sondern lockere, spätsommerliche Abendunterhaltung. Die zwar mit der einen oder anderen dramaturgischen Durststrecke, aber einer gut aufgelegten Schauspielerriege und einer überzeugenden Auflösung.

Obwohl Klöße echt nicht mein Fall sind, vergebe ich 7 von 10 möglichen Punkten in der TATORT-Rangliste.