Lohnt sich der Tatort DIE EWIGE WELLE ?

TATORT MÜNCHEN

BR/Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG/Hendrik Heiden

Im nunmehr 81. Fall für die Münchner Ermittler Batic und Leitmayr wird Franz Leitmayr mal wieder eine Liebesgeschichte aus der Vergangenheit angedichtet. Entfaltet der neue Tatort daraus einen spannenden Krimi, dem die Herzen der Zuschauer zufliegen oder ist es am Ende nur ein One-Night-Stand, den die meisten lieber wieder vergessen möchten? Kurzum: Lohnt sich der Tatort DIE EWIGE WELLE?  

Worum geht es im 81. Tatort mit Batic und Leitmayr?

Auf dem nächtlichen Nachhauseweg wird Mikesch Seifert überfallen und niedergestochen. Der Mann kommt schwerverletzt in ein Münchner Krankenhaus. Bei der Befragung durch Batic und Leitmayr, erkennt das Opfer Hauptkommissar Leitmayr wieder. Beide verbrachten vor 35 Jahren einen Sommer an der portugiesischen Atlantikküste. Das Wiedersehen ist aber nur von kurzer Dauer. Denn wenig später flieht Mikesch in einem lebensgefährlichen Zustand aus dem Krankenhaus.

Batic und Leitmayr begeben sich auf die Suche nach Mikesch und dem Täter. Dabei stoßen sie unter anderem auf zwei tote Drogenjunkies und Frida, die zusammen mit Franz Leitmayr und Mikesch die Zeit in Portugal verbracht hat. Was hat Mikesch vor und warum taucht er einfach unter? Warum brach Leitmayr wortlos den Kontakt zu Frida und Mikesch vor 35 Jahren ab?

Was möchte uns der Münchner Tatort DIE EWIGE WELLE erzählen?

Von links: Die jungen Freunde Mikesch Seifert (Jonathan Müller), Frida de Kuyper (Giulia Goldammer) und Franz Leitmayr (Sören Wunderlich) erwachen gemeinsam am Strand von Nazaré (Portugal, 1984). BR/Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG/Johann Feindt

Das Drehbuch von Alex Buresch und Matthias Pacht siedelt seine Geschichte abseits der Münchner Schickeria an. Es geht um Menschen, die von einem freien und unabhängigen Leben träumen; Surfer, die immer auf der Welle ganz oben surfen wollen. Dass dies auch misslingen kann und man von der Welle erfasst wird und im Wasser landet, zeigt dieser Tatort ebenso. Und so versucht sich die Handlung im Laufe der 90 Minuten an einer Art bayerisches „Breaking Bad“. Unbescholtene und -auffällige Bürger werden zu Kleinkriminellen, die ihr Konto durch Drogengeschäfte aufbessern wollen. Naja, gelingt so mäßig.

Dazu wartet DIE EWIGE WELLE mit einer – erneuten – Episode aus Leitmayrs Vergangenheit auf, was schon ein wenig ermüdend ist. Hierbei geht es zurück ins Jahr 1984. Da beobachten wir den jungen „Franzisco“ Leitmayr (sensationell gecastet: Sören Wunderlich), wie er mit einer Frau und Mikesch am Strand von Nazaré nackt herumspringt. Eine Dreiecksbekanntschaft, die sich in München wieder trifft. Als dann noch im Raum steht, dass Leitmayr möglicherweise der Vater von Fridas Sohn ist, überprüft man endgültig, ob an diesem Sonntagabend der richtige Sender eingeschaltet wurde. Alles schon so oft gesehen, nervt im Prinzip nur noch.

Kann man sich auf eine spannende Krimihandlung im Tatort DIE EWIGE WELLE freuen?

Robert Kraut (Surferdouble Simon Strangfeld, im Vordergrund) surft souverän ein paar Turns auf der stehenden Welle am Eisbach. Mikesch Seifert (Andreas Lust, mittig im Hintergrund, umgeben von Komparsen) beobachtet stolz seinen Schützling und applaudiert ihm. BR/Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG/Hendrik Heiden

Blendet man Leitmayrs Vergangenheit aus, bleibt eine Kleinganovenstory übrig, die sehr nahe an der Episodenhauptfigur Mikesch dranbleibt. Dabei will jedoch keine richtige Spannung aufkommen. Da ist das Beobachten der Eisbachwelle deutlich aufregender als dieser Tatort.

Batic und Leitmayr bleibt auch nichts anderes übrig, als über die Vergangenheit zu referieren, Ermittlungen in DIE EWIGE WELLE: Fehlanzeige.

Können die Münchner Kommissare in diesem Tatort punkten?

Das möchte ich diesem Film durchaus bescheinigen.

Von links: Die Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) genießen den Sommer in München. BR/Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG/Hendrik Heiden

Batic und Leitmayr treten in DIE EWIGE WELLE ein wenig in den Hintergrund. In ihren Szenen schaffen es die beiden jedoch, die Geschichte aufzulockern. Das Zusammenspiel von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl ist einem vertraut. Die Figuren sind ruhiger und älter geworden. Batic darf sich mit Rückenschmerzen abquälen („Ich habe mir heut´ Nach was verrissen.“), Leitmayr ist nach einer Verfolgungsjagd komplett außer Puste.

Dem gegenüber steht der junge Kollege Kalli, der – statt anzurufen – flott und mit Helm auf dem Fahrrad vorfährt, um seine Informationen weiterzugeben. Bei ihm scheint die Fahrradhelmkampagne von Bundesverkehrsminister Scheuer wohl Wirkung gezeigt zu haben.

Den drei Ermittlern wünscht man in Zukunft aber aufregendere Folgen als DIE EWIGE WELLE.

Wer ist im Nebencast dieser Tatort-Episode zu sehen?

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Die Episodenhauptfigur Mikesch wird von Andreas Lust gespielt. Das finde ich ein wenig schwierig, da Lust erst im März im Schwarzwald-Tatort FÜR IMMER UND DICH eine tragende und sehr polarisierende Rolle als Kindesentführer innehatte. Erneut spielt er eine, zwar weniger aufregende, dramatische Figur, aber die ihr Leben auch nicht unter Kontrolle bekommt.

Alle weiteren Gastdarsteller sind in der Krimireihe relativ unbekannt, was ja auch mal schön ist. Die Rolle der Frida wurde von der niederländischen Schauspielerin und Sängerin Ellen ten Damme übernommen. Musikalische Künstler aus dem Nachbarland sind ja aktuell in Europa sehr angesagt, diese Dame bleibt in DIE EWIGE WELLE aber eher blass.

Wo wurde DIE EWIGE WELLE gedreht?

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Gedreht wurde der Münchner Tatort im vergangenen Spätsommer. Hierbei entstanden zentrale Aufnahmen am Eisbach im Englischen Garten, der Wasserbegeisterte zum Surfen mitten in der Stadt einlädt.

Außerdem zog es das Produktionsteam um Regisseur Andreas Kleinert für Retro-Einstellungen nach Portugal.

Die Bilder zeigen ansonsten ein trostloses München, die wunderbar zu der schrägen Figurenauswahl passen.

Lohnt sich der Tatort DIE EWIGE WELLE?

Der neue Fall aus München ist eher etwas für romantische Tatort-Nostalgiker und könnte auch gut aus dem Jahr 1984 stammen. Das große Verbrechen bleibt aus.

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Die Geschichte konzentriert sich auf Kleinganoven, die in kurzer Zeit das große Geld machen wollen. Dabei balanciert DIE EWIGE WELLE zwischen dramatischen Einzelschicksalen und Slapstick-Einlagen.

Diejenigen, die eher auf spannende Mordermittlungen und einem furiosen Showdown hoffen, lassen wohl eher die Finger von diesem Tatort. Auch diejenigen, die mit plötzlich eintretenden Privatgeschichten der Ermittler nichts anfangen können, verfolgen lieber intensiv die Wahlprognosen der Europawahl.

FAZIT: DIE EWIGE WELLE ist ein Tatort, der vor lauter Poesie und Romantik vergisst, einen spannenden und interessanten Kriminalfall zu erzählen.

Bei mir reicht das Gesehene für 4 von 10 möglichen Punkten in der Tatort-Rangliste.