Lohnt sich der Tatort BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER ?

Lohnt sich der Tatort BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER: Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) schicken eine Suchstaffel über das Gelände der Voigts. © NDR/Christine Schroeder
Lohnt sich der Tatort BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER: Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) schicken eine Suchstaffel über das Gelände der Voigts. © NDR/Christine Schroeder

Geister, Spuk und eine Reise in die Vergangenheit eines Ermittlers – hatten wir das nicht schon? Und dann wird eine neue Ermittlerfigur eingeführt. Wir reden vom neuen Kieler TATORT und fragen uns wie (fast) jede Woche: Lohnt sich der Tatort BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER?

Worum geht es im neuen Kieler Tatort?

Vor vier Jahren ist Heike Voigt, eine gute Freundin von Hauptkommissar Klaus Borowski, spurlos verschwunden. Nun erreicht den Ermittler ein Brief – ein Hilferuf von Heikes Tochter Grete. Daraufhin besucht Borowski die Familie Voigt auf ihrem Anwesen. Dort lebt Grete mit ihrer Schwester Sinja, ihrem Vater Frank und dessen neue Partnerin Anna. Borowski verdächtigte damals Frank, etwas mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun gehabt zu haben, gar sie umgebracht zu haben. Kommissar Borowski lässt der Fall keine Ruhe. Er versucht, im Umfeld der Familie neue Hinweise auf den Verbleib von Heike Voigt zu finden. Auch Anna wendet sich an den Kommissar. Sie behauptet, dass es im Haus spukt und dass der Geist von Heike Voigt sie nachts heimsucht und töten will.

Dann geschieht tatsächlich ein Mord, der dem Fall eine neue Wendung gibt.

Wie gestalten sich die Ermittlungen in BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER?

BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER: Klaus Borowski (Axel Milberg) lauscht dem musikalischen Vortrag von Frank (Thomas Loibl) und Anna (Karoline Schuch).© NDR/Christine Schroeder
BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER: Klaus Borowski (Axel Milberg) lauscht dem musikalischen Vortrag von Frank (Thomas Loibl) und Anna (Karoline Schuch).© NDR/Christine Schroeder

Vor allem geht es im neuen Borowski-Tatort um Geister aus der Vergangenheit. Es geht um Ereignisse, die Jahre zurückliegen. Umso rätselhafter ist der Ermittlungsaufwand von Borowski. Ständig kommt er mit Fragen um die Ecke, sucht die Personen bei der Gartenarbeit, auf See und beim Chillen am Bach auf. Es wird nicht deutlich, ob es einen offiziellen Ermittlungsauftrag gibt. Oder füllt Borowski seine Freizeit nur mit netten Unterhaltungen und wir müssen ihm dabei zuschauen? Selbst wenn das Polizeiarbeit ist, die der Tatort hier darstellen will: eine größere Befangenheit als bei Borowski ist wohl nicht vorstellbar – völlig unrealistisch!

Als Krimi ist BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER in den ersten 60 Minuten einfach nur ein riesengroßer Murks. Erst als nach dieser Stunde eine aktuelle Leiche gefunden wird, funktioniert der Tatort halbwegs. Allerdings ohne jedoch zu überzeugen.

DAS HAUS DER GEISTER – wie hoch ist der Gruselfaktor im Kieler Tatort?

Nicht sehr hoch.

BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER: Klaus Borowski (Axel Milberg) auf dem Weg zu Hobbysegler Frank. © NDR/Christine Schroeder
BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER: Klaus Borowski (Axel Milberg) auf dem Weg zu Hobbysegler Frank. © NDR/Christine Schroeder

Die nächtlichen Szenen sind durchaus auf Horror getrimmt. Regisseur Elmar Fischer zieht alle Register in der Bildgestaltung und im Ton, um beim Zuschauer Gänsehaut zu erzeugen, was ihm jedoch bei mir nur einmal gelingt. Irgendwann wird die Frage lauter, warum denn niemand in diesem „Geisterhaus“ einfach das Licht einschaltet, wenn er durch die dunklen Räume stapft. Als Borowski dann noch mit den Frauen des Hauses Gläser rückt, wird es völlig bescheuert, zumal keine der beteiligten Personen die Situation ernst nimmt und an den Quatsch glaubt. Schließlich steigt man schnell dahinter, was das ganze Gruselzeug soll. Da lob ich mir doch lieber den Frankfurter Tatort FÜRCHTE DICH vom vergangenen Jahr, der wenigstens 90-minütige Unterhaltung geboten hat.

Lohnt sich der Tatort BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER?:  Wie verläuft der Einstand der neuen Tatort-Kommissarin?

Durchaus respektabel.

BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER: Auch Kommissar Borowski (Axel Milberg) wird von seiner neuen Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) zum damaligen Fall befragt. © NDR/Christine Schroeder
BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER: Auch Kommissar Borowski (Axel Milberg) wird von seiner neuen Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) zum damaligen Fall befragt. © NDR/Christine Schroeder

Der Einstieg und das erste Aufeinandertreffen zwischen ihr und Borowski lässt vermuten: die beiden werden deutlich harmonischer zusammenarbeiten, als Borowski und Sarah Brandt. Sie agieren sofort auf einer Wellenlänge und – das ist die beste Szene des Filmes – tanzen spontan auf dem Parkdeck zu einer Warteschlangen-Melodie. Die Rolle ist aber noch ausbaufähig. Es darf schon ein bisschen mehr sein, als am Boxsack zu hängen, genüsslich am Hafen in ein Brötchen zu beißen oder eine Hundestaffel zu delegieren und dabei verdammt gut auszusehen. Nett wirkende Schauspielerin, sympathische Rolle – ich denke: da ist in Zukunft einiges zu erwarten.

Welchen Eindruck hinterlassen die weiteren Charaktere im Tatort BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER?

Genauso wie der Fall, sind auch die Figuren: uninteressant.

Weder beim dauerverdächtigen Frank Voigt, der seltsam offenherzigen Sinja, der introvertierten Grete oder der auf der psychischen Ebene angeknacksten Anna erkennt man so richtig die Motivation für Ihr Handeln. Wenn ich zum Beispiel das Gefühl habe, durch ein höheres Wesen heimgesucht zu werden, dann lege ich mich doch nicht ein fünftes Mal alleine schlafen. Und das ist das Kernproblem dieser Tatort-Episode. Die Szenen wiederholen sich, ohne irgendwie einen Fortschritt für die Handlung zu erzeugen. Tagsüber unterhält sich Borowski mit irgendeiner Person, die aber nichts zu erzählen hat und nachts spukt es. Und so geht das in BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER fünf Tage lang.

BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER: Klaus Borowski (Axel Milberg) befragt seine Ex-Frau Gabrielle (Heike Trinker) zum Verschwinden der gemeinsamen Freundin Heike. © NDR/Christine Schroeder
BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER: Klaus Borowski (Axel Milberg) befragt seine Ex-Frau Gabrielle (Heike Trinker) zum Verschwinden der gemeinsamen Freundin Heike. © NDR/Christine Schroeder

Ein Treffen gibt es zudem mit Borowskis Ex-Frau Gabrielle, die Kindern Ballett beibringt und kurzerhand von ihrem Ex-Mann als Spitzel ins „Geisterhaus“ geschickt wird. Auch dieser Handlungseinfall kann als bedeutungslos zu den Akten gelegt werden.

Lohnt sich das Einschalten beim Tatort BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER?

Nein.

Im Laufe des Filmes wird die Frage aufgeworfen: „Kann ich ins Bett?“. Hier meine Antwort: „Du kannst, denn es passiert eh nichts mehr.“ Wenig Spannung, wenig Gänsehaut, keine Komik und die darstellerische Leistung ist auch nicht zum Niederknien.

BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER - Die Voigts (Karoline Schuch, Thomas Loibl, Emma Mathilde Floßmann, Mercedes Müller) diskutieren mit Klaus Borowski (Axel Milberg) das damalige Verschwinden von Heike. © NDR/Christine Schroeder
BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER – Die Voigts (Karoline Schuch, Thomas Loibl, Emma Mathilde Floßmann, Mercedes Müller) diskutieren mit Klaus Borowski (Axel Milberg) das damalige Verschwinden von Heike. © NDR/Christine Schroeder

Es ist verwunderlich, dass sich der Kieler Tatort, der über Jahre hinweg Glanzpunkte der Krimireihe gesetzt hat, solche Ausrutscher erlaubt. Es bleibt der Trost, bei der Einführung einer neuen Ermittlerfigur dabei gewesen zu sein.

FAZIT: Der Tatort BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER ist eine Mischung aus Horrorfilm, ZDF-Herzkino und Krimi, ohne in einer dieser Disziplinen zu funktionieren und zählt zu den ganz schwachen Borowski-Folgen. Bleibt zu hoffen, dass Borowski bald wieder zu seiner alten Klasse zurückfindet.

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