Lohnt sich der Tatort BLUT ?

Tatort BLUT:Die massiven Verletzungen am Hals der Toten stellen die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) vor ein besonderes Rätsel. Die Obduktion soll klären, ob das Opfer an den Folgen starker Bissverletzungen gestorben ist. (v.l.: Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen), Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Rechtsmediziner Dr. Katzmann (Matthias Brenner)) © Radio Bremen/Christine Schröder
Tatort BLUT:Die massiven Verletzungen am Hals der Toten stellen die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) vor ein besonderes Rätsel. Die Obduktion soll klären, ob das Opfer an den Folgen starker Bissverletzungen gestorben ist. (v.l.: Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen), Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Rechtsmediziner Dr. Katzmann (Matthias Brenner)) © Radio Bremen/Christine Schröder

Sabine Postel und Oliver Mommsen sind zum 32. und vorletzten Mal gemeinsam im Bremer TATORT zu sehen. Kurz vor dem Finale wird es richtig gruselig, Halloween steht vor der Tür und wie schon letztes Jahr produziert eine ARD-Anstalt dazu einen entsprechenden Beitrag. Diesmal geht es doch allen Ernstes um Vampire und da darf man sich schon mal die Frage stellen: Lohnt sich der Tatort BLUT da eigentlich ?

Worum geht es im Tatort BLUT?

Wie gesagt: Vordergründig um Vampire.

Mehr als das bringt die traumatisierte Augenzeugin jedenfalls nicht heraus. Mit diesem eher verstörenden Hinweis stehen die Hauptkommissare Inga Lürsen und Nils Stedefreund vor einem ganz besonderen Rätsel. Eine Tote wurde kurze Zeit vorher in einem Park gefunden – die Leiche der jungen Frau weist viele Bißbverletzungen und eine völlig verletzte Kehle auf. Kampfund oder Wolf? Der Bremer Gerichtsmediziner Dr. Katzmann stellt dann fest: ein Mensch war´s!

Und während Inga Lürsen Schritt für Schritt die Indizien und Hinweise zusammensetzt, gerät Stedefreund in einen fieberhaften Strudel mystischen Aberglaubens.

Als die Ermittler auf Nora Harding und ihren Vater Wolf Harding treffen, überschlagen sich die Ereignisse…..

Und die Gretchenfrage – ist der Vampir-TATORT gruselig?

Ja!

Tatort BLUT: Die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) rekonstruieren mit der Kommissarin vom Dienst, Helen Reinders (Camilla Renschke), den Fall. © Radio Bremen/Christine Schröder
Tatort BLUT: Die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) rekonstruieren mit der Kommissarin vom Dienst, Helen Reinders (Camilla Renschke), den Fall. © Radio Bremen/Christine Schröder

Der anfangs erstmal obskure Stoff ist sehr spannend umgesetzt. Die Stimmung des Films zieht den Zuschauer in seinen Bann. Panik und Schock – mit Anleihen bei anderen Horror-Klassikern wie SCREAM, DER EXORZIST der PSYCHO – unterstützten dieses Setting sehr. Musik, Licht, Kamera, die Bilder und Motive unterstützen das auf hervorragende Weise. Schon inszenatorisch ist BLUT ein hervorragend umgesetzter Tatort – die Gewerke verstehen ihr Handwerk.

Paralellen zu Dracula & Co. sind gewollt und beabsichtigt – sie stellen sich nahezu automatisch ein. “Wer von einem Vampir gebissen wird, wird selbst zu einem” ist nur eine transsylvanische Binsenweisheit, die fernab der St. Georgsnacht den Weg in den Bremer Tatort findet.

Lohnt sich der Tatort BLUT – Also doch nur Effekthascherei?

Nein, jedenfalls nicht nur.

Regisseur und Autor Philipp Koch arbeitet schon seit längerem an der Idee für einen Spielfilm, der das übernatürlich aufgeladene Thema „Vampirismus“ thematisiert und erdet. BLUT bricht das aber auch auf eine menschlich-emotionale Facette hinunter. Am Ende des “Halloween”-Tatorts wird alles rational erklärbar sein und es wird vermutlich keinen Aufschrei geben wie beim Halloween-Tatort FÜRCHTE DICH! vom letzten Jahr.

Tatort BLUT: Unzertrennlich und aufeinander angewiesen: Nora (Lilith Stangenberg) und ihr Vater Wolf Harding (Cornelius Obonya). © Radio Bremen/Christine Schröder
Tatort BLUT: Unzertrennlich und aufeinander angewiesen: Nora (Lilith Stangenberg) und ihr Vater Wolf Harding (Cornelius Obonya).
© Radio Bremen/Christine Schröder

Die Ermittlungen bleiben nachvollziehbar und gehen in alle Richtungen, auch wenn es für Stedefreund wieder ein sehr persönlicher Fall wird. Dass er am Ende ein bemitleidenswertes Häufchen Elend gibt, hilft zu vergessen, dass man ab und an während des Films kurzzeitig denkt, die Effekthascherei könne doch etwas dick aufgetragen sein…

Wie verhalten sich die Ermittler zu diesem scheinbar übernatürlichen Fall?

Natürlich muss auch ein solcher Tatort einen Ermittler involvieren, ohne geht es eben wohl nicht.  Diesmal trifft es den gebeutelten Stedefreund. Der wird dann folglich schnell gebissen (bei 43:25)  – von einem Vampir?! Und dann verändert sich der smarte Kommissar natürlich noch weiter, nachdem er sich schon mit Literatur versorgt hatte ….

Tatort BLUT: Bei einer Verfolgungsjagd wird Hauptkommissar Stedefreund verletzt. (v.l.: Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen), Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) © Radio Bremen/Christine Schröder
Tatort BLUT: Bei einer Verfolgungsjagd wird Hauptkommissar Stedefreund verletzt. (v.l.: Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen), Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) © Radio Bremen/Christine Schröder

Seiner Kollegin Lürsen fällt es sichtlich schwer, bei den Ermittlungen sachlich zu bleiben, überzeugt zu bleiben, von dem, was sie da ständig gebetsmühlenartig erzählt. Auch wenn sie nicht ignorieren kann, wie Stedefreund sich verändert: Sie ist der ruhende, sachliche Pol in diesem Tatort – der Gegensatz zu Stedefreund. So wie Helen, Ingas Tochter, oder der Gerichtsmediziner Katzmann.

Welche Absichten haben die Filmemacher verfolgt?

Unterhaltung soll das sein. Wie jeder Tatort – diesmal (eben wieder) mit Stilmitteln des Gruselfilms. Das ist alles – fast!

Tatort BLUT: Nach dem Mord an ihrer Freundin steht Anna Welter unter Schock. (v.l.: Anna Welter (Lilly Menke), Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen), Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel)) © Radio Bremen/Christine Schröder
Tatort BLUT: Nach dem Mord an ihrer Freundin steht Anna Welter unter Schock. (v.l.: Anna Welter (Lilly Menke), Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen), Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel)) © Radio Bremen/Christine Schröder

Etwas genauer: Regisseur Koch wollte die Angst vor den Vampiren, dem Unbekannten, dem Nicht-Sichtbaren thematisieren. Zeigen, dass da buchstäblich was im Schatten liegt. Und was die Angst mit Menschen machen kann.

Für den Produzenten Michael Polle ist die tragische Beziehung zwischen Nora und ihrem Vater jedenfalls etwas, was nicht nur die Ermittler, sondern eben auch die Zuschauer an den Rand der eigenen Wahrnehmung bringen soll.

Tatort BLUT: Eine stark traumatisierte Zeugin (Lilly Menke) kann Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) nur den verstörenden Hinweis „Vampir“ liefern. © Radio Bremen/Christine Schröder
Tatort BLUT: Eine stark traumatisierte Zeugin (Lilly Menke) kann Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) nur den verstörenden Hinweis „Vampir“ liefern. © Radio Bremen/Christine Schröder

Die Frage “Das kann doch alles nicht sein” steht die ganze Zeit im Raum. Das Spielen des Films mit den menschlichen Urängsten fordert so immer wieder auch den Realitätssinn – den Realitätssinn der Ermittler und den Realitätssinn der Zuschauer.

Lohnt sich der Tatort BLUT?

Ja, unbedingt. Einen so spannend-aufreibenden Tatort habe ich tatsächlich lange nicht mehr gesehen.

Der Film ist Spannung, Drama, Rätsel und Grusel. Und eben Krimi! (Und natürlich kein Experiment, wie die Redakteurin von Radio Bremen versichert.)

FAZIT: Fernab von solchen Begrifflichkeiten ist das ein sehenswerter Tatort aus Bremen. Spannend, gut gemacht, unterhaltsam, klug arrangiert und ausreichend actiongeladen. Um Montags mitzureden, sollte man diesen Bremer Tatort nicht verpassen – und einschalten!

In der Tatort-Rangliste gibt es dafür von mir 8 Punkte.