Lohnt sich der Polizeiruf IN FLAMMEN ?

ARD/NDR POLIZEIRUF 110: IN FLAMMEN Das Team um Anton Pöschel (Andreas Guenther), Henning Röder (Uwe Preuss), Volker Thiesler (Josef Heynert), Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) sichtet das Bekennervideo. © NDR/Christine Schroeder
ARD/NDR POLIZEIRUF 110: IN FLAMMEN Das Team um Anton Pöschel (Andreas Guenther), Henning Röder (Uwe Preuss), Volker Thiesler (Josef Heynert), Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) sichtet das Bekennervideo. © NDR/Christine Schroeder

Ein Jahr waren sie nicht mehr auf Sendung, am Sonntag ermitteln Bukow und König quasi in Dunkeldeutschland. Der neueste Krimi aus Rostock ist der 369. Polizeiruf 110. Wir klären die Frage: Lohnt sich der Polizeiruf  IN FLAMMEN?

Um was geht es?

Nach einer Wahlkampfveranstaltung für die rechtspopulistische Partei PFS wird die Politikerin Sylvia Schulte auf freiem Feld in der Nähe von Rostock bei lebendigem Leib verbrannt. Neben Bukow und König schaltet sich auch der Verfassungsschutz ein, da ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen werden kann. Aufgrund der Brutalität bei der Tat vermutet Profilerin Kathrin König allerdings ein persönliches Motiv für den Mord. Für die Klärung des Falles ermittelt das Rostocker Team in der rechten Szene und sie graben tief in der Vergangenheit der Politikerin. Dabei stoßen sie auf ein dunkles Geheimnis, welches zur Aufklärung der bestialischen Tat führt.

Lohnt sich der Polizeiruf IN FLAMMEN – Welche Themen werden angesprochen?

ARD/NDR POLIZEIRUF 110: IN FLAMMEN Die rechtspopulistische Sylvia Schulte (Katrin Bühring) mit ihrem persönlichen Referenten Jandali (Atheer Adel). © NDR/Sandra Hoever
ARD/NDR POLIZEIRUF 110: IN FLAMMEN Die rechtspopulistische Sylvia Schulte (Katrin Bühring) mit ihrem persönlichen Referenten Jandali (Atheer Adel). © NDR/Sandra Hoever

Der Polizeiruf 110 IN FLAMMEN wurde passend ans Ende der Saison 2017/2018 gesetzt. Die Folge spiegelt einen kleinen Querschnitt – man möchte fast sagen „Best-Of“ – durch die 40 gezeigten Sonntagskrimis wider. Wie im Falke-TATORT DUNKLE ZEIT rückt auch in dieser NDR-Produktion eine offensichtlich rechte Partei in den Fokus des Sonntagskrimis. Hinzu gesellt sich ein ganzes Nazi-Dorf – genannt „Braunes Bullerbü“ – ähnlich wie im Schwarzwald-TATORT SONNENWENDE, die selbiges mit großem Lagerfeuer feiern, in Eigenregie leben, Flaggen von Nazi-Deutschland hissen, Brot backen und ihre Kinder privat im Eigenheim unterrichten. Ihr merkt schon, es wird nichts ausgelassen. Zwischendurch geht es auch mal um menschliche Dinge, wie die Liebe.

Wie viel AfD steckt in der fiktionalen Partei PFS?

ARD/NDR POLIZEIRUF 110: IN FLAMMEN, Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau. © NDR/Christine Schroeder
ARD/NDR POLIZEIRUF 110: IN FLAMMEN, Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau. © NDR/Christine Schroeder

Sehr viel.

Bereits zu Beginn war ich kurz von der Wahlkampfrede von Sylvia Schulte verwirrt, denn Inhalt und Diktion ließen mich sofort an Alice Weidel erinnern. Großes Kompliment geht dabei an Schauspielerin Kathrin Bühring. Auch die sonstigen Figuren aus dem AfD-Land, wie Alexander „Opa“ Gauland oder Björn „Bernd“ Höcke, werden fiktional abgebildet. Ferner beteuern alle Funktionäre, dass es sich bei der PFS um eine „demokratische Partei“ handle.

Autor Florian Oeller spinnt sich in diesem Polizeiruf 110 ordentlich was zurecht, aber das dargestellte Innenleben dieser PFS kommt für mich plausibel rüber. Ja, jetzt werden wieder einige sagen, der Film sei staatsfinanziertes AfD-Bashing. Aber ehrlich, wie soll eine Partei, die keine Gratis-Kuscheleinheiten verteilt und deren Provokationsmaschinerie 24/7 durch alle Medien läuft, anders in Szene gesetzt werden? Ich habe keine Idee.

Wie sind Bukow und König drauf?

ARD/NDR POLIZEIRUF 110: IN FLAMMEN Das Gespräch eskaliert - Bukow (Charly Hübner) stößt Meissner (Patrick von Blume) zu Boden. © NDR/Christine Schroeder
ARD/NDR POLIZEIRUF 110: IN FLAMMEN Das Gespräch eskaliert – Bukow (Charly Hübner) stößt Meissner (Patrick von Blume) zu Boden. © NDR/Christine Schroeder

Die beiden sind und bleiben eine Bank am Sonntagabend. Ihre Beziehung ist nach wie vor undurchsichtig. Während sie in früheren Folgen an alkoholdurchdränkten Abenden beinahe übereinander herfielen, wirkt das Miteinander in IN FLAMMEN sehr distanziert und man steigt erst nicht dahinter, weshalb das so ist. Die Ursache reicht bis Neujahr 2016 zurück. Und das ist ein kleiner Kritikpunkt: Es ist schon schwierig, die Geschehnisse nach so langer Zeit wieder auf die Kette zu bekommen. Und für ZuschauerInnen, die die damalige Folge ANGST HEILIGT DIE MITTEL  nicht gesehen haben, bekommen nicht die Chance, das Verhalten der beiden nachzuvollziehen.

Denn in der Folge vor anderthalb Jahren ist LKA-Ermittlerin Kathrin König von einem Sexualstraftäter in einer Scheune überwältigt und fast vergewaltigt worden. Nur durch den Einsatz einer Stichwaffe konnte sich die Kommissarin aus den Fängen ihres Peinigers befreien. Bukows und Königs unterschiedliche Berichte zu den Hergängen führten dazu, dass sich nun eine interne Untersuchung zu den Geschehnissen einschaltet. Ansonsten diskutieren beide ihre Standpunkte auf amüsante Art und Weise; immer auf die Gefahr hin, ihr Temperament nicht im Zaum zu halten. Und dieser Faktor macht auch diesen Polizeiruf 110 aus Rostock sehr unterhaltsam.

ARD/NDR POLIZEIRUF 110: IN FLAMMEN Roland Herlau (Michael Wittenborn) legt in Gedenken an Sylvia Schulte Blumen nieder. © NDR/Christine Schroeder
ARD/NDR POLIZEIRUF 110: IN FLAMMEN Roland Herlau (Michael Wittenborn) legt in Gedenken an Sylvia Schulte Blumen nieder. © NDR/Christine Schroeder

Wie hoch ist das Spannungslevel von IN FLAMMEN?

Doch recht hoch.

Lars-Gunnar Lotz´ Film ist wieder mal ordentlich düster und zeigt wenig Sonnenschein. Die Mördersuche gestaltet sich vielversprechend und schnörkellos. Auch wenn gegen Ende hin ein wenig effekthascherisch und räuberpistolenartig gearbeitet wird, hebt sich IN FLAMMEN als Krimi „mitten auf die Zwölf“ wohltuend von den vergangenen drögen Sonntagen deutlich ab. Hallelujah!

Lohnt sich der Polizeiruf IN FLAMMEN ?

Lohnt sich der Polizeiruf IN FLAMMEN? Das Team um Anton Pöschel (Andreas Guenther), Henning Röder (Uwe Preuss), Volker Thiesler (Josef Heynert), Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) überlegt noch.... © NDR/Christine Schroeder
Lohnt sich der Polizeiruf IN FLAMMEN? Das Team um Anton Pöschel (Andreas Guenther), Henning Röder (Uwe Preuss), Volker Thiesler (Josef Heynert), Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) überlegt noch…. © NDR/Christine Schroeder

Auf jeden Fall! Rostock enttäuscht fast nie und für Fans von Bukow und König ist das nahezu ein Selbstläufer. Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau sind tolle Schauspieler, die nicht jeder Standort aufweisen kann. Zudem sind ihre Figuren wunderbar aufeinander eingestellt.

Wem allerdings die Themen, die – man muss es deutlich sagen – zum x-ten Mal in kürzester Zeit durchgesprochen werden, zum Hals raushängen, der muss abwägen, ob er den Fernseher doch lieber auslässt.

Fazit: IN FLAMMEN ist großes Tennis mit dem ein oder anderen Doppelfehler beim Aufschlag und sowohl ein gelungener als auch passender Saisonabschluss.

Es bleibt ein Wunsch zum Schluss: Der TATORT/Polizeiruf 110 muss für die Zukunft aufpassen, dass er seine Themenvielfalt nicht verliert. Wenn man Münster, Dresden und Köln mal außen vorlässt, dann ähnelten sich die seit Mitte April gezeigten Krimis doch sehr stark.

Vor der WM-Pause vergebe ich dennoch verdiente 8,5 von 10 möglichen Punkten nach Rostock.