Die Hauptdarsteller über Tatort TREIBJAGD

TATORT: HAMBURG

Drei Hauptdarsteller - drei Statements zum Bundespolizei-Tatort TREIBJAGD, Statement Wotan Wilke Möhring © NDR/ Christine Schroeder
Drei Hauptdarsteller - drei Statements zum Bundespolizei-Tatort TREIBJAGD, Statement Wotan Wilke Möhring © NDR/ Christine Schroeder

Statements von Wotan Wilke Möhring, Franziska Weisz und Michelle Barthel über den Tatort TREIBJAGD.

Statement Wotan Wilke Möhring © NDR/ Christine Schroeder
Statement Wotan Wilke Möhring © NDR/ Christine Schroeder

Falke weiß, was Stimmungsmache anrichten kann

In diesem Fall ist Falkes Schicksal mit dem des Toten verknüpft. Er verhört diesen Jungen, den Kleinkriminellen, und lässt ihn dann laufen, auch weil der ihm vielleicht sympathisch ist und er ohnehin keine Beweise gegen ihn in der Hand hat. Dann begeht der Junge wieder einen Einbruch und wird erschossen. Das geht Falke nahe. Außerdem wird er selber Opfer von Hasskommentaren. Lange nimmt er nicht ernst, wie schnell sich Dinge viral verbreiten. Erst als der Netzmob zuschlägt und seinen Sohn angreift, sieht Falke, wie gefährlich sich Hetze im Internet auf die Realität auswirkt. Auch die Polizei ist den Hatern hilflos ausgeliefert. Spannend ist, dass durch die ständigen Postings der Nachbarschaftswache der Wettlauf gegen die Zeit noch eindrücklicher erzählt werden kann. Falke ist von Anfang an genervt von den Bürgern, die sich zusammenrotten und gegen die Polizei polemisieren, ohne die Fakten zu kennen. Er weiß, was diese Stimmungsmache anrichten kann. Eigentlich ist die Idee gut, sich zu organisieren, auf den Nachbarn zu achten, aber diese Bürgerwehr macht eben nicht einfach nur einen Spaziergang im Kiez, sondern maßt sich Polizeigewalt an. Das geht zu weit. Falke und Grosz arbeiten jetzt auf Augenhöhe zusammen. Grosz geht dabei selbstbewusst ihren Weg.

Statement Franziska Weisz, © NDR/Christine Schroeder
Statement Franziska Weisz,
© NDR/Christine Schroeder

Toll finde ich, dass dieser Film keinem Schwarz-Weiß-Schema folgt

Als ich hörte, der nächste Tatort handelt von einer Einbruchsreihe, konnte ich damit sofort ganz viel anfangen. Normalerweise geht es immer um Mord, und damit habe ich persönlich in meinem Leben wenig zu tun. Aber Einbruch ist omnipräsent. Ich bin auch in einem Vorort aufgewachsen und da gab es -zig Einbruchswellen. In meine Wohnung ist auch schon eingebrochen worden, und wie der Film davon erzählt, ist absolut nachvollziehbar. Dieses Gefühl, man wird beobachtet, man wird ausgespäht, jemand hat in den privaten Sachen herumgekramt, ist ganz schrecklich. Ich glaube, davor haben sehr viele Menschen Angst. Die Grosz spürt bei ihren Ermittlungen sofort die Wut der Einbruchsopfer auf die Polizei, weil sie sich alleingelassen fühlen. Sie versucht, das nicht persönlich zu nehmen, einen kühlen Kopf zu bewahren und ihre Verantwortung als Polizistin der Gesellschaft gegenüber wahrzunehmen. Als dann die Lawine des Hasses im Internet ins Rollen gerät, erkennt sie schneller als Falke: Rufmord ist ein machtvolles Instrument. Wenn eine Institution wie die Polizei online an den Pranger gestellt wird, hat sie kaum noch eine Chance, ungehindert zu ermitteln. Toll finde ich, dass dieser Film keinem SchwarzWeiß-Schema folgt. Es sind nicht die Guten, die die Bösen jagen oder umgekehrt, sondern dieser Film geht sehr glaubwürdig den Nöten der Einzelnen nach.

Statement Michelle Barthels, © NDR/ Christine Schroeder
Statement Michelle Barthels, © NDR/ Christine Schroeder

Ich konnte ihre Motivation sofort absolut verstehen

Die Maja ist eine Figur, die so lebendig ist und eigentlich noch am Anfang des Lebens steht, als ihr dann so etwas Tragisches widerfährt. Ich konnte ihre Motivation sofort absolut verstehen. Sie und ihr Freund sind jung und durch ihre Liebe so stark miteinander verbunden, dass sie fast wie ein einziger Körper funktionieren. Bei diesen Einbrüchen nehmen sie sich etwas, was aus ihrer Sicht bei den Anderen im Überfluss vorhanden ist. Sie haben nichts zu verlieren und handeln nach ihren eigenen Gesetzen. In dem Moment, als ihr Freund erschossen wird, bricht eine Welt für sie zusammen und der einzige Gedanke, der sie nicht aufgeben lässt und zum Weitergehen zwingt, ist, den Tod ihres Freundes zu rächen. Sie will Gerechtigkeit für das, was ihm angetan wurde, um wieder ein Gleichgewicht herzustellen. Auf ihrer Flucht inden Wald verhält sie sich unheimlich mutig, und ich finde auch als Zuschauer steht man vor der Frage, ob man diesen Rachegedanken rechtfertigen kann oder nicht, wenn ihr der Mensch genommen wird, den sie am meisten
liebt.

Die Statements stammen aus der Pressemappe des Norddeutschen Rundfunks (NDR) anlässlich der Erstsendung im November 2018.